Entgegen vieler Prognosen bleibt Bargeld ein zentraler Bestandteil globaler Zahlungssysteme und wächst stetig, trotz zunehmender digitaler Zahlungsmethoden. Dr. Wolfram Seidemann, CEO Currency Technology bei Giesecke+Devrient, betont, dass Bargeld weit mehr als nur ein Zahlungsmittel sei und für Vertrauen, Stabilität sowie gesellschaftliche Teilhabe stehe. Er widerspricht der Annahme, dass Bargeld angesichts der Digitalisierung dem Untergang geweiht sei.
Bargeld als universelles und krisenfestes Zahlungsmittel
Der Bargeldumlauf wächst weltweit und auch in Mitteleuropa, wie Seidemann ausführt. Er hebt hervor, dass Bargeld seit Jahrtausenden die einzige Bezahlform sei, die universell akzeptiert werde, unabhängig von Technik funktioniere, die Privatsphäre wahre und auch in Krisenzeiten verlässlich bleibe. “Gerade in unsicheren Phasen zeigt sich: Menschen vertrauen auf Bargeld – egal ob jung oder alt”, so Seidemann.
Regionale Unterschiede und die Verbindung von Bargeld und Digitalem
Die Bargeldnutzung variiert regional: Während manche Länder hohe Volumina verwalten, sinkt in anderen Regionen die Nutzung, bleibt aber insgesamt stabil. Seidemann nennt Beispiele wie Twint in der Schweiz oder PIX in Brasilien als komfortable Alternativen. Er betont, dass es nicht um ein Gegeneinander von Bargeld und Digitalem gehe, sondern darum, die Stärken beider Welten zu verbinden und Verbrauchern die Wahlfreiheit zu lassen.
Das “Bargeld-Paradoxon” in Deutschland und Österreich
Ein “Bargeld-Paradoxon” zeige sich besonders in Deutschland und Österreich: Trotz des Zuwachses elektronischer und digitaler Zahlungsmittel steige die umlaufende Bargeldmenge weiter an. Im Jahr 2024 waren in der Eurozone über 1,6 Billionen Euro im Umlauf, ein Anstieg von über 23 Prozent gegenüber 1,3 Billionen Euro fünf Jahre zuvor. Angesichts dieser Dimensionen sei es entscheidend, den Bargeldkreislauf effizient zu gestalten, die Infrastruktur nachhaltig anzupassen und den Zugang sowie die Akzeptanz von Bargeld für Bürger jederzeit sicherzustellen.
Bargeld bleibt – digitale Ergänzungen gewinnen an Bedeutung
Dr. Seidemann prognostiziert, dass Bargeld auch 2035 oder sogar 2050 Bestand haben werde. “Ja, Bargeld wird bleiben – so sicher wie das Fahrrad nicht vom Auto verdrängt wird”, erklärt er. Er erwartet, dass Menschen weiterhin die besonderen Eigenschaften des Bargelds schätzen werden: seine Haptik, Verlässlichkeit und die Kontrolle über das eigene Vermögen. Gleichzeitig werde der digitale Euro als Ergänzung an Bedeutung gewinnen und neue Möglichkeiten schaffen, wobei Verfügbarkeit und Akzeptanz für den Erfolg digitaler Zahlungssysteme entscheidend seien.
